Bei der Taufe werden wir Eltern gefragt, ob wir unsere Kinder im Glauben erziehen wollen. Unser „JA“ sagen wir mit gemischten Gefühlen. Wie sollen wir das machen, was heißt „im Glauben erziehen“ überhaupt?
Wer Kinder hat wird bald merken, dass wir um die religiösen Fragen nicht herum kommen. Kinder fragen früher oder später nach dem Woher und Wohin, nach dem Tod, nach Sinn und Wertigkeiten. Sie bohren tief und verlangen ehrliche, tragfähige Antworten. Deshalb bietet diese Lebensphase für uns Eltern eine große Chance, uns selbst den großen Fragen des Lebens (wieder) zu stellen, unser Welterklärungsmodell noch einmal zu hinterfragen, auch unser Gottesbild: Gibt es für mich eigentlich einen Gott, an den ich mich wenden kann? Auch dann, wenn meine menschlichen Beziehungen versagen? Was trägt mein Leben abseits von Arbeit, Familie und Freunden? Was gibt mir letzten Halt? Wohin bin ich unterwegs? Es zahlt sich aus, diese Fragen zuzulassen und nach Antworten zu suchen, allein, gemeinsam mit anderen Eltern und mit unseren Kindern.
Wenn wir unser Kind in den Händen halten, spüren wir ganz deutlich: „Mein Kind, du bist ein großes Geschenk für mich, du bist mir anvertraut. Ich will mit dir lachen und mit dir staunen, wenn du die Welt entdeckst, dir Halt geben, dich tragen und auffangen, wenn du schwach bist. Ich bin da."
Genau diese mütterlichen und väterlichen Gefühle zeigt auch Gott für uns. Er sagt von sich selbst: „Ich bin der „Ich bin da – JAHWE". Ich bin für dich da wie deine liebende Mutter, wie dein beschützender Vater. Wenn alle Stricke reißen, auch wenn kein Mensch mehr helfen kann, wenn Leid, Trauer und Verzweiflung da sind, bin ich dein letzter Halt."
Von der Liebe und der Vertrautheit zwischen den Eltern und ihrem Kind dürfen wir unser Kind auch hinein begleiten in die Vertrautheit mit Gott und seinem Sohn Jesus. Unser Kind soll spüren und erfahren: Gott ist eigentlich der, dem wir unser Leben verdanken. Wir sind seine Geschöpfe und wir gehören wie Geschwister zusammen. Sein Sohn Jesus geht an unserer Seite.
Mit meinem Kind kann ich (wieder) versuchen, mit Gott vertraut zu werden. Ich kann mitten im Alltag mit Ihm sprechen, zu Ihm beten, Ihm jeden Tag mein Kind anvertrauen. Das Kind spürt dieses Vertrauen. So kann der Glaube an Gott in unseren Kindern wachsen. Gemeinsam mit anderen Eltern z. B. in einer Pfarrgemeinde, beim Feiern der kirchlichen Feste oder in guten Gesprächen mit Gleichgesinnten, können wir für die religiöse Erziehung neue Ideen mitnehmen.
Mit dem Glauben schenken wir unserem Kind ein Koordinatensystem, Orientierung und Werte, die ihm im Leben Halt geben.
Mit dem Glauben schenken wir unserem Kind Zugang zu einer Gemeinschaft, die durch ihr Feiern und ihre Rituale Menschen zusammenführt und die für die Schöpfung Verantwortung übernimmt.
Mit dem Glauben schenken wir unserem Kind Hoffnung und Trost über das irdische Leben hinaus.
Den Faden zur Gemeinschaft der Kirche haben wir mit der Taufe für unser Kind angeknüpft. Er ist kostbar. Es zahlt sich aus, ihn nicht abreißen zu lassen. Ich glaube, das wäre das schönste Taufgeschenk, das wir unserem Kind machen können!
Mag. Marlies Prettenthaler Heckel, Pastoralassistentin













